Die Versicherungspflichtgrenze in der privaten Krankenversicherung (PKV) ist der Betrag, den ein angestellter Arbeitnehmer mindestens im Jahr brutto verdienen muss, um Mitglied bei einer privaten Krankenversicherung zu werden.

Ein anderer Ausdruck für die Versicherungspflichtgrenze ist Jahresarbeitsentgeltgrenze. Sie bestimmt ab welcher Höhe des jährlichen Arbeitsentgelts der Arbeitnehmer die freie Wahl hat, in welche Krankenkasse er eintreten möchte.

Jahresarbeitsentgeltgrenze

Diese Jahresarbeitsentgeltgrenze (JAEG), wie die Versicherungspflichtgrenze auch genannt wird, begrenzt damit den Markt zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung. Mit der Beitragsbemessungsgrenze muss die Versicherungspflichtgrenze nicht übereinstimmen.

Die JAEG ändert sich jedes Jahr und kalkuliert sich über die Bruttolöhne der deutschen Arbeitnehmer vom vorangegangenen Kalenderjahr. Die Höhe der JEAG wird von dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales in einer Rechtsverordnung festgelegt (§6 Abs. 6 SGB V).

Die aktuelle Höhe der Versicherungspflichtgrenze der vergangenen 10 Jahre

Jahr Jahresgrenze Monatsgrenze
2016 56.250,00 € 4.687,50 €
2015 54.900,00 € 4.575,50 €
2014 53.550,00 € 4.462,50 €
2013 52.200,00 € 4.350,00 €
2012 50.850,00 € 4.237,50 €
2011 49.500,00 € 4.125,00 €
2010 49.950,00 € 4.162,50 €
2009 48.600,00 € 4.050,00 €
2008 48.159,00 € 4.013,25 €
2007 47.700,00 € 3.975,00 €
2006 47.250,00 € 3.937,50 €

Für andere Berufsgruppen gilt die Jahresarbeitsentgeltgrenze nicht. Diese genießen Versicherungsfreiheit und können eigenständig wählen, ob sie sich gesetzlich oder privat krankenversichern. Hierzu zählen diese Gruppen:

Selbstständige haben die Möglichkeit sich privat versichern zu lassen, wenn sie im überwiegenden Maße selbstständig sind.

Beamte dürfen zur PKV wechseln, sobald sie Beihilfe erhalten.

Für Studenten gilt der Beginn ihres Studiums, als Erlaubnis zu der PKV zu wechseln. Auch rückwirkend kann sich diese Gruppe von der Versicherungspflicht befreien lassen.

Personen ohne Einkommen der Zeitpunkt, ab dem das Einkommen wegfällt,

Arbeitnehmer Bedingungen

Für Arbeitnehmer gibt es verschiedene Bedingungen:

  • Soll ein neues Arbeitnehmerverhältnis aufgenommen oder der Arbeitgeber gewechselt werden, so sind Arbeitnehmer versicherungsfrei, sobald sie vorlegen können, dass sie in den folgenden zwölf Monaten ein Jahresarbeitsentgelt über der Versicherungspflichtgrenze beziehen werden. An welchem Tag des Jahres geschieht ist irrelevant.
  • Eine andere Möglichkeit versicherungsfrei zu werden wäre der Fall einer Gehaltserhöhung. Wenn mit dieser Erhöhung des Einkommens die Versicherungspflichtgrenze übersteigt wird, wird der Arbeitnehmer erst am 1. Januar im neuen Jahr versicherungsfrei. Selbstverständlich muss ihr Gehalt dann auch die im neuen Jahr festgelegte Versicherungspflichtgrenze übersteigen.

Zu beachten ist bei einem Wechsel immer die Kündigungsfrist der Gesetzlichen Krankenversicherung. Diese beträgt zwei Monate.

Seit dem Jahr 2009 besteht in Deutschland für alle Einwohner die Pflicht, sich bei einer Krankenversicherung anzumelden. Arbeitnehmer, deren jährliches Arbeitsentgelt unterhalb der Versicherungspflichtgrenze liegt, werden automatisch Mitglieder in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV). Die Träger der gesetzlichen Krankenversicherung sind die Krankenkassen in Deutschland, deren Beiträge vereinheitlicht wurden. Wie oben bereits erklärt können sich die pflichtversicherten Arbeitnehmer selbst aussuchen, bei welcher Krankenkasse sie Mitglied werden möchten. Sobald ein Arbeitnehmer allerdings ein jährliches Bruttogehalt bezieht, das oberhalb der Versicherungspflichtgrenze für die private Krankenversicherung liegt, hat er die Wahl, ob er freiwillig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert bleibt oder ob er sich bei einer privaten Krankenversicherung anmeldet.

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Die Versicherungspflichtgrenze ist ein Betrag, der einmal im Jahr neu festgelegt wird. Über die Höhe des Betrages entscheidet das Bundesarbeitsministerium, indem es die Entwicklung der Bruttolöhne und der Bruttogehälter in Deutschland zwischen dem vorvergangenen Jahr und dem vergangenen Jahr vergleicht. Je nach Höhe der Differenz wird die Jahresarbeitsentgeltgrenze entsprechend angepasst und in einer Rechtsverordnung veröffentlicht.

So beträgt die Versicherungspflichtgrenze für das Jahr 2012 zum Beispiel 4.237,50 Euro monatlich beziehungsweise 50.850,00 Euro jährliches Bruttogehalt. Zur Berechnung, ob ein Arbeitnehmer diese Versicherungspflichtgrenze mit seinem Gehalt überschreitet, werden folgende Faktoren berücksichtigt: Wenn der Arbeitnehmer in seinem Arbeitsvertrag mit dem Arbeitgeber ein Brutto-Jahresgehalt vereinbart hat, wird dieses zugrunde gelegt. Wurde dagegen im Arbeitsvertrag ein Monatsgehalt vereinbart, so wird das letzte gezahlte Gehalt mit zwölf multipliziert.

Sonderzahlungen

Zusätzlich werden Sonderzahlungen wie Urlaubsgeld, Weihnachtsgeld oder Bonuszahlungen zu dem Gesamtbetrag hinzugerechnet. Übersteigt diese Summe nun im Zeitraum von einem Jahr die Versicherungspflichtgrenze, so wird der Arbeitnehmer am Ende des aktuellen Kalenderjahres von der Versicherungspflicht in der gesetzlichen Krankenversicherung befreit. Eine Befreiung von der Krankenversicherungspflicht bedeutet aber nicht, dass der Angestellte nun völlig ohne Versicherung dasteht. Es bedeutet vielmehr, dass er sich nun entweder bei einer privaten Krankenversicherung anmelden kann oder dass er freiwilliges Mitglied in einer gesetzlichen Krankenkasse bleibt.

Die Versicherungspflichtgrenze orientiert sich am Einkommen und den Löhnen deutscher Arbeitnehmer. Steigt also das Gehalt der Deutschen, so steigt ebenso die Versicherungspflichtgrenze. Gerade für Arbeitnehmer und Angestellte ist diese Information von hoher Wichtigkeit. Schaffen sie es nicht, die Gehaltsstufe einzuhalten, so werden sie auf der PKV entfernt.

Wenn Studenten oder Schüler nach ihrem Abschluss zum ersten Mal einen Arbeitsvertrag erhalten und das darin vereinbarte Bruttogehalt pro Jahr liegt über der Jahresarbeitsentgeltgrenze, sind sie mit Abschluss des Arbeitsvertrages frei von der Pflichtversicherung in der gesetzlichen Krankenversicherung. Sie haben ebenfalls die Wahlmöglichkeit zwischen freiwilliger Versicherung in der GKV oder Abschluss eines Vertrages bei einer privaten Krankenversicherung.
Fällt dagegen ein privat Versicherter innerhalb eines Jahres mit seinem Brutto-Jahresgehalt unterhalb ­die Versicherungspflichtgrenze, zum Beispiel durch Lohnkürzungen, ist er sofort wieder pflichtversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung.

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Wer ist privat versichert?

Der größte Teil der privat Versicherten sind Beamte und Beamte im Ruhestand, also Pensionäre. Gemeinsam machen sie der Statistik zufolge den größten Part der privat Versicherten aus. Knapp 40% sind es. Das ist natürlich kein großes Wunder, denn tatsächlich haben es Beamte, Beamtenanwärter und die, die im Ruhestand sind, am leichtesten in eine PKV hinein zu kommen. Es geht aber nicht nur darum, sondern auch die Bedingungen sind die besten für Beamte. Dank der Beihilfe und den günstigen Beamtentarifen ist die PKV gerade für diese Berufsgruppe besonders günstig.

Auch Nichterwerbstätige sind mit überraschend hoher Prozentzahl in den Statistiken der PKV aufgeführt. Diese Personengruppe steht nicht für die Arbeitslosen, sondern für die Kinder und Ehepartner, die in der Versicherung des Berufstätigen mitversichert sind. Sie machen die zweitgrößte Gruppe der privat Versicherten aus.

 

Gesetzliche Auskunftspflicht

Wenn Krankenkassen ihren Beitrag erhöhen, müssen Versicherte davon zeitnah in Kenntnis gesetzt werden. Dies muss in einem eigenständigen Schreiben geschehen und nicht etwa in einem Informationsblatt der Versicherung. Zusätzlich gibt es dann ein Sonderkündigungsrecht. Vor allem ist das wichtig für Kunden, die erst seit weniger als 18 Monaten bei der Versicherung gemeldet sind. Im Normalfall können die Kassenpatienten nämlich nicht einfach ihre Mitgliedschaft kündigen. Eine Erhöhung der Tarife ist jedoch ein Grund, aus der Versicherung austreten zu dürfen.

Kassenpatienten sollten sich einen Überblick über die günstigsten Krankenkassen machen können. Deshalb ist auch ein Hinweis auf eine online verfügbare Kassenliste mit derzeitigen Beitragssätzen gesetzlich vorgeschrieben. Wenn der neue Satz über dem Durchschnitt liegt, dann muss der Versicherte darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass er die Möglichkeit besitzt einen Kassenwechsel vorzunehmen.

 

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